Einladung Audiowalk Held innen
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Am 5. März um 17:30 Uhr öffnete das Julius-Spiegelberg-Gymnasium in Vechelde seine Türen für ein besonderes Theaterprojekt. Die Kurse im Fach Darstellendes Spiel (DS) der Jahrgänge 12 und 13 präsentierte einen selbst entwickelten Audiowalk, der sich auf kreative und ungewöhnliche Weise mit dem Thema „Helden“ auseinandersetzte. Unter der Leitung von Frau Kuhnt und Frau Marotz entstand innerhalb mehrerer Wochen ein Projekt, das die Besucherinnen und Besucher dazu einlud, bekannte Vorstellungen von Heldentum zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen.

Im Mittelpunkt des Audiowalks stand die Frage, was einen Helden eigentlich ausmacht. Dabei näherten wir uns dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Einige Gruppen beschäftigten sich mit klassischen Heldenfiguren, andere wiederum mit Antihelden oder mit der grundlegenden Frage, wer überhaupt bestimmt, wer als Held gilt. Ziel unseres Projekts war es, den Zuhörenden neue Denkanstöße zu geben und sie dazu anzuregen, das Konzept des Heldentums kritisch zu reflektieren. Anstatt eine eindeutige Antwort zu liefern, wollten wir vielmehr unterschiedliche Perspektiven eröffnen und zeigen, dass Heldentum ein vielschichtiges und oft subjektives Konzept ist.

Der Audiowalk fand vollständig innerhalb des Schulgebäudes statt. Verschiedene Räume des Gymnasiums wurden gezielt als Spielorte genutzt und teilweise bewusst in ungewohnte Kontexte gesetzt. So wurden neben klassischen Räumen wie einem Konferenzraum auch Orte wie die Jungen- und Mädchentoiletten in die Inszenierung einbezogen. Diese ungewöhnliche Nutzung der Räume trug dazu bei, eine besondere Atmosphäre zu schaffen und die Besucherinnen und Besucher aus ihrem gewohnten Blick auf die Schule herauszulösen.

Der Ablauf für das Publikum war bewusst einfach gestaltet: Die Gäste kamen zur angegebenen Zeit zur Schule und wurden gebeten, möglichst eigene Kopfhörer mitzubringen. Für diejenigen, die keine parat hatten, stellten wir Leihkopfhörer bereit. Anschließend konnten die Besucherinnen und Besucher mithilfe von QR-Codes die jeweiligen Audioinhalte auf ihren Smartphones abrufen. Der Audiowalk selbst führte sie Schritt für Schritt durch das Gebäude. In den Audiospuren waren sowohl Wegbeschreibungen als auch die eigentlichen Inhalte enthalten, sodass die Zuhörenden eigenständig von Station zu Station geleitet wurden. Auf diese Weise entstand eine Mischung aus Theatererlebnis, Hörspiel und räumlicher Erkundung.

Der Weg bis zur Präsentation war jedoch deutlich umfangreicher, als es für Außenstehende vielleicht zunächst erscheint. In den etwa sechs bis sieben Wochen der Projektarbeit durchliefen wir mehrere kreative und organisatorische Phasen. Zunächst entwickelten wir in gemischten Gruppen aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 12 und 13 eigene Ideen zum übergeordneten Thema. Anschließend entstanden erste Konzepte und schließlich konkrete Skripte für die jeweiligen Audiobeiträge.

Parallel dazu beschäftigten wir uns mit der Planung der Räume und ihrer Wirkung auf das Publikum. Welche Orte eignen sich besonders gut für bestimmte Inhalte? Welche Atmosphäre entsteht in einem engen Raum wie einer Toilette im Vergleich zu einem größeren Konferenzraum? Solche Fragen spielten bei der Inszenierung eine wichtige Rolle. Darüber hinaus mussten die Audios aufgenommen, geschnitten und technisch aufbereitet werden. In Zusammenarbeit mit dem Technikteam wurde darauf geachtet, dass Tonqualität, Lautstärke und Übergänge stimmen, damit die Zuhörenden ein möglichst immersives Erlebnis haben.

Neben der praktischen Arbeit gehörte auch eine Reflexion zum Projekt. In dieser setzten wir uns noch einmal bewusst damit auseinander, welche Schritte wir im Verlauf des Projekts gegangen sind, welche Entscheidungen wir getroffen haben und wie der gesamte Arbeitsprozess verlaufen ist. Dadurch wurde deutlich, wie viele verschiedene Aspekte bei der Umsetzung eines Audiowalks zusammenspielen – von der ersten Idee über dramaturgische Überlegungen bis hin zu technischen Details.

Die Präsentation selbst stellte schließlich den Höhepunkt unserer Arbeit dar. Für viele von uns war es besonders spannend zu erleben, wie die Besucherinnen und Besucher den Audiowalk tatsächlich durchliefen und auf unsere Ideen reagierten. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Viele Gäste beschrieben das Format als ungewöhnlich und interessant, da sie das Schulgebäude auf eine völlig neue Weise erleben konnten. Besonders die Verbindung aus räumlicher Bewegung und auditiver Erzählform wurde häufig hervorgehoben.

Rückblickend hat uns das Projekt einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise performativer Formate im Darstellenden Spiel gegeben. Wir haben gelernt, dass hinter einem scheinbar einfachen Audiowalk ein umfangreicher kreativer und organisatorischer Prozess steckt. Die Entwicklung von Texten, die Planung von Räumen, die technische Umsetzung und die Zusammenarbeit in größeren Gruppen erfordern Zeit, Abstimmung und eine klare Struktur.

Für uns als Kurs war vor allem die Aufführung selbst ein prägender Moment. Nach mehreren Wochen intensiver Vorbereitung zu sehen, wie das Publikum unser Projekt erlebt, war ein besonderer Abschluss der gemeinsamen Arbeit. Gleichzeitig wurde uns bewusst, wie wichtig eine gute Projektorganisation ist, um kreative Ideen möglichst effizient umzusetzen.

Insgesamt hat uns der Audiowalk nicht nur neue Perspektiven auf das Thema „Helden“ eröffnet, sondern auch gezeigt, wie vielfältig und experimentell Theater im schulischen Kontext sein kann. Durch die Verbindung von Audioformat, räumlicher Inszenierung und eigenständiger Bewegung des Publikums entstand ein Erlebnis, das deutlich über eine klassische Bühnenaufführung hinausging.

(Jonas Bollmann. Luc Lebherz)