Vom 16. bis zum 19. Juni hatte ich gemeinsam mit 15 anderen SchülerInnen des JSGs die Möglichkeit, am Oldenburg Model United Nations (OLMUN) teilzunehmen. Schon die Anreise war besonders: Mit mehreren Stunden Verspätung brachte uns die Deutsche Bahn endlich nach Oldenburg. Dass wir alle bereits im Business-Outfit unterwegs waren, sorgte unterwegs für einige neugierige Blicke und Gespräche. Mehrmals wurden wir gefragt, warum wir so „schick“ angezogen seien. Die Antwort, dass wir bei einer englischsprachigen Simulation der Vereinten Nationen ein Land vertreten würden, beeindruckte viele!
Nach unserer Ankunft begann die Konferenz mit der feierlichen Opening Ceremony. In einer großen Halle kamen rund 1.000 SchülerInnen aus verschiedenen Schulen und Ländern zusammen. Die Eröffnungsreden, unter anderem von VertreterInnen aus Politik und Stadtverwaltung, waren vollständig auf Englisch und verdeutlichten, wie international OLMUN ist! Besonders war außerdem eine Grußbotschaft von Olaf Lies, der uns Teilnehmenden viel Erfolg für die Konferenz wünschte. Da in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum der Konferenz gefeiert wurde, war auch die Stimmung sehr feierlich.
Am nächsten Morgen begann die eigentliche Arbeit in den Komitees. Ich vertrat Nordmazedonien im European Council! Insgesamt nahmen rund 50 Länder an meinem Komitee teil. Unser Thema lautete: Advancing and Protecting the Rights of Migrant Workers within Europe. Nach dem Roll Call, bei dem jedes Land aufgerufen wurde und mit „Present“ seine Anwesenheit bestätigte, hielten alle Delegierten ihre Opening Speeches. Dabei stellte jedes Land seine Position zum Thema vor. Auch ich präsentierte die Sicht Nordmazedoniens und erklärte die Ziele dieses Landes.
Während der Reden begann bereits das Note Passing. Über kleine Nachrichten konnten sich die Delegierten austauschen und so nach Ländern mit ähnlichen Positionen suchen, um später gemeinsam an einer Resolution zu arbeiten. Eine Resolution ist ein offizieller Beschluss, eine Entschließung oder eine formale Erklärung. Unser Komitee spaltete sich schließlich in zwei Gruppen auf. Die „liberalere“ Gruppe, zu der auch Nordmazedonien gehörte, setzte ihren Schwerpunkt auf den Schutz der Rechte von MigrantInnen, Sprachkurse, soziale Integration und den Schutz aller ArbeitnehmerInnen. Die andere, eher „konservative“ Gruppe, konzentrierte sich stärker auf die Frage, wie Migration und innere Sicherheit miteinander vereinbart werden können.
Eine der größten Herausforderungen bestand darin, konsequent die Position des eigenen Landes zu vertreten. Auch dann, wenn sie nicht unbedingt der eigenen Meinung entspricht. Genau das machte die Simulation so wichtig. Man musste sich intensiv mit der Politik auseinandersetzen, andere Sichtweisen einnehmen und entsprechend argumentieren.
Am letzten Konferenztag wurden die erarbeiteten Resolutionen debattiert. Änderungsanträge wurden eingebracht, Formulierungen diskutiert und Argumente ausgetauscht. Die Debatten waren intensiv, aber stets respektvoll. Am Ende wurden sogar beide Resolutionen angenommen!
Neben den politischen Diskussionen blieb aber auch genügend Zeit, neue Menschen kennenzulernen. Besonders schön war der Austausch mit den internationalen Delegierten, unter anderem aus China und der Türkei. Wir haben uns über unsere Schulsysteme, unseren Alltag und unsere unterschiedlichen Perspektiven ausgetauscht. Auch diese internationalen Begegnungen machten OLMUN zu einer ganz besonderen Erfahrung.
Persönlich habe ich vor allem gelernt, spontan auf Argumente zu reagieren und auch unter Zeitdruck überzeugend zu sprechen. Dieses „Thinking on your feet“ war eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ich während der Konferenz weiterentwickeln konnte. Gleichzeitig konnte ich mein Wissen über europäische Migrationspolitik erweitern und erleben, wie anspruchsvoll diplomatische Verhandlungen sein können. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement der vielen Jugendlichen. Oft wird behauptet, junge Menschen interessierten sich kaum für Politik. OLMUN hat mir jedoch das Gegenteil gezeigt! Überall traf man auf engagierte, gut informierte und motivierte SchülerInnen!
Auch wenn uns die Deutsche Bahn auf der Rückreise bei 30 Grad, nach der Closing Ceremony, bei der alle Resolutionen vorgestellt wurden, erneut etwas Geduld abverlangte, kamen wir mit vielen neuen Eindrücken, neuen Bekanntschaften und tollen Erfahrungen wieder nach Hause. Für mich war OLMUN eine unvergessliche Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde.
Vielen Dank an Frau Gerth und Herrn Makus, die dies für uns möglich gemacht haben!
(Jonna Breuer, Jahrgang 12)











